KÖNIGSBERG

Ein halbes Jahrhundert voller Erinnerungen

Für ihre 50 Jahre im Salon Jehnes erhielt Irene Ott eine Ehrenurkunde von der Handwerkskammer.

Irene Ott kann ein besonderes Jubiläum feiern: Seit 50 Jahren arbeitet die Königsbergerin in ihrer Heimatstadt als Friseurin – und das von Anfang an im gleichen Salon. „Das ist schon was Außergewöhnliches“, sagt ihr Chef Ralf Jehnes.

Dem Haßfurter Tagblatt erzählt Irene Ott, wie es 1967 anfing. „Mein Vater war da zum Haareschneiden“, berichtet sie. „Dann ist er heimgekommen und hat gesagt, dass Lehrmädchen eingestellt werden.“ Sie selbst war damals 14 Jahre alt und gerade mit der Schule fertig.

„Es hat geheißen: Du kannst mal zum Schnuppern kommen“, sagt sie über den Einstieg in den Beruf. Tatsächlich gefiel es ihr und so blieb sie dabei. Nach der dreijährigen Lehrzeit blieb sie weiter als Friseurin im Salon Jehnes.

Irene Ott stammt aus Königsberg und hat ihr ganzes Leben dort gewohnt. Da war es naheliegend, dass sie sich auch hier eine Arbeit suchte. Mittlerweile ist sie verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Gelernt hat sie bei Fritz und Erna Jehnes, mittlerweile hat deren Sohn Ralf den Laden übernommen. Von Anfang an habe sich Irene Ott in dem Friseursalon wohlgefühlt. Auch mit dem Juniorchef verstehe sie sich sehr gut.

Auf die Frage, wie viele Kollegen sie in all den Jahren hat kommen und gehen sehen, meint sie nur: „Oh je, das kann ich nicht sagen. Aber es waren auf jeden Fall einige.“ Derzeit ist neben ihr und dem Chef Ralf Jehnes noch eine weitere Kollegin in dem Friseursalon beschäftigt.

Auch einige Kunden haben sie über einen langen Zeitraum begleitet. „Es gibt einige Stammkunden“, berichtet sie. Am Anfang sei es für einige Kunden noch etwas befremdlich gewesen, dass die Mitarbeiterinnen im Salon Jehnes auch im Herrensalon mitarbeiteten. „Die Herren waren es nicht gewohnt, dass ihnen eine Frau die Haare schneidet.“

Mittlerweile seien sie aber lockerer geworden. „Es ist auch immer schön, wenn man Abwechslung hat“, sagt sie über die Arbeit in den beiden verschiedenen Teilen des Ladens.

Auch sie und ihre Kollegin gehen mittlerweile selbstbewusst damit um, wenn Kunden erwarten, die Haare von Ralf Jehnes geschnitten zu bekommen. Wenn ihr Chef im Urlaub ist und die beiden Frauen auch den Männersalon mitübernehmen, komme es manchmal vor, dass ein Kunde fragt: „Was, der Ralf ist nicht da?“ „Darauf sagen wir dann: ,Nein, aber wir können das auch'“, erzählt die Friseurin.

Es gebe auch einige Kunden, die direkt danach fragen, wann Irene Ott im Laden ist. „Andere wollen sich dafür lieber von der Kollegin die Haare schneiden lassen. Das muss man dann auch aushalten.“

Und woher weiß die Friseurin, wie sie mit welchem Kunden umgehen soll? Soll sie lieber ruhig die Haare schneiden oder soll sie sich mit dem Herren oder der Dame auf dem Stuhl unterhalten? Und über was eigentlich?

„Das spürt man“, sagt Irene Ott. „Ich kann auch den Mund halten“, meint sie, der Großteil der Kunden bevorzuge es aber doch, sich mit der Friseurin zu unterhalten, während sie ihnen die Haare schneidet. „Man muss ja schon mal ein Gespräch darüber anfangen, was er eigentlich möchte“, sagt Ott darüber, wie der Einstieg in eine Unterhaltung funktionieren kann.

Auch skurrile Situationen und merkwürdige Kundenwünsche hat Irene Ott in den 50 Jahren erlebt. Ein besonderes Erlebnis hatte sie kurz nachdem sie ausgelernt hatte. „Ich erinnere mich noch heute dran“, erzählt sie. Damals kam Seniorchef Fritz Jehnes zu ihr und sagte mit Blick auf einen Kunden: „Die müssen alle runter.“ Tatsächlich musste sich der Kunde eine Glatze schneiden lassen, nachdem er eine Wette verloren hatte. „Er hatte so schönes dichtes Haar“, beschreibt Irene Ott, warum sie sich nicht traute, die Schere anzusetzen. Dann, so berichtet sie, habe ihr Chef den ersten Schnitt gemacht. „Und dann musste ich.“

Auch sonst gebe es bei den Kunden sehr unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen. „Es gibt solche und solche“, sagt sie. „Manche sagen: ,Wie immer' – das sind meistens die Älteren. Andere wissen genau, was sie wollen.“

Seit September hängt nun neben dem Meisterbrief von Ralf Jehnes eine Ehrenurkunde im Laden, die Irene Ott zu ihrem besonderen Jubiläum erhielt. Insgesamt macht die Friseurin auch nach 50 Jahren im gleichen Beruf und beim gleichen Arbeitgeber einen sehr zufriedenen Eindruck. „Ich mache es immer noch gerne.“

Auch nach 50 Jahren als Friseurin im Salon Jehnes in Königsberg hat Irene Ott immer noch Spaß an ihrem Beruf.